Klartext zum Ökolandbau

Veröffentlicht am 11.10.2018 in Landespolitik

Anlässlich der Aktuellen Debatte zum Thema "Ökologische Landwirtschaft - eine Erfolgsgeschichte für Baden-Württemberg" vertrat der SPD-Landtagsabgeordnete Georg Nelius die Position seiner Fraktion.

Seine Rede im Wortlaut:

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren,

der Ökolandbau ist im Vergleich zur Situation von vor 10 Jahren sehr gut vorangekommen. Dies nicht zuletzt durch die Arbeit der grün-roten Vorgängerregierung.

Wir fragen uns allerdings: worin liegt die Aktualität dieses Themas, dass es nun als Aktuelle Debatte auftaucht? Sind es die aktuellen Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik oder ist es die Reaktion auf die Kritik des NABU Baden-Württemberg an Minister Hauk und indirekt auch an der Grünen-Fraktion, mehr Engagement zu zeigen, um den Öko-Landbau voranzubringen? 

Die Bio-Musterregionen dürfen nicht zum Deckmäntelchen für die verloren gegangene Dynamik im Bio-Landbau verkommen. Wir erwarten von den Grünen und der CDU, dass sie sich stärker der Kritik von Biobauern und Umweltverbänden stellen.

Der ökologische Landbau ist mit 9,8 Prozentanteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche sicher nur eine Nische, das stimmt. Doch es ist eine Nische, die den Landwirten selbst, der Umwelt, dem Grundwasser, der Artenvielfalt und den Nutztieren gut tut. Und deshalb muss er ausgebaut werden. Die einzige nachvollziehbare Bremse wäre, wenn die Verbraucher die Bioprodukte gar nicht nachfragen würden.

Aber es ist umgekehrt: Mit Bioware aus dem nahen und fernen Ausland muss diese Nachfrage befriedigt werden, selbst bei Bio-Milch mit circa 30%.

Und beim Fleisch wird deutlich, wie schlecht wir vorankommen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot um das Fünffache! Das wiederum führt zu teilweise absurd hohen Preisen. Denn Biofleisch kann und muss zwar nachvollziehbar teurer sein, weil die Produktionskosten höher liegen. Aber im Laden kostet es wegen dem knappen Angebot und der großen Nachfrage dann noch wesentlich mehr, und befeuert damit den Ruf, dass Bioprodukte für die Masse der Verbraucher viel zu teuer seien.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

das sehr gelungene Landwirtschaftliche Hauptfest auf dem Wasen hat die Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaft gezeigt.

Dennoch steckt die Landwirtschaft in einer schwierigen Lage, die durch drei Faktoren geprägt ist:

Das Verbrauchervertrauen ist stark angeschlagen, und das nicht etwa durch böse Politiker wie mich, die das laut sagen, sondern durch immer neue Probleme und Skandale in der Tierhaltung und durch den Umgang mit der Umwelt. Zugleich stecken sehr viele Landwirte in einer ökonomischen Krise, weil sie trotz vieler Arbeit und großer Investitionen nicht genug für ihre Produkte bekommen und sich finanziell auszehren.

Und bei all dem ist die Landwirtschaft auch noch in einer ökologischen Krise, denn der konventionelle Landbau und die intensive Nutzung von Tier und Acker belastet sehr oft Grundwasser und Artenvielfalt.

Eine jahrzehntelange Agrarpolitik hat die Bauern immer nur zu mehr Produktivität und Intensität der Erzeugung gedrängt. Die daraus resultierenden zurückgehenden Preise durch Überproduktion und eine bedrohte Umwelt hat man weitgehend ausgeblendet.

Deshalb muss die Agrarpolitik insgesamt umsteuern. Wir müssen endlich wegkommen von der reinen Flächenförderung durch die 1. Säule und wir müssen wesentlich mehr Mittel gezielt für Leistungen im Umwelt- und Tierschutzbereich ausgeben.

Das betrifft alle Landwirtschaftlichen Betriebe und Förderprogramme. Der Biolandbau ist für alle drei Krisen der Landwirtschaft ein Ausweg und dieser Weg muss deshalb weiterentwickelt werden. Die Gesellschaft fordert mehrheitlich einen Wandel hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft. Aber wie Umweltverbände, zum Beispiel der NABU, zu Recht anmahnen, fehlen noch weitere Säulen, um den ökologischen Umbau der Landwirtschaft zu unterstützen. Für mehr Ökologie auf dem Acker müsste auch verstärkt in Forschung und Lehre investiert, ein leistungsfähiges Wissensmanagement durch Bildung und Beratung geschaffen und bei der finanziellen Förderung der Fokus auf ökologisches Wirtschaften gelegt werden. Das Land sollte beispielsweise die landeseigenen Behördenkantinen mit ökologisch erzeugten Produkten beliefern lassen.

Die Betriebe erwirtschaften mehr Einkommen, wie man auch besonders bei den Milcherzeugern in den letzten Milchpreiskrisen sehen konnte. Die Verbraucher vertrauen Biolandwirten. Und ein Hof, der nicht jedes Kraut als Unkraut wegspritzt, der nicht mit Pestiziden allen Insekten, statt nur den Schädlingen zu Leibe rückt und der das Grundwasser nicht mit Überdüngung schädigt, der führt auch nicht in die ökologische Krise, sondern weist im Gegenteil den Weg aus ihr hinaus.

Deshalb schließen wir uns den Forderungen aus den Reihen der Biolandwirtinnen und Biolandwirten an: Wir brauchen mehr als nur die gegenwärtigen Punkte im Fakt-Programm. Wir könnten gezielt in Grundwassersanierungsgebieten Biolandbau vorschreiben. Auch die SchALVO-Zahlungen könnte man nach einer Übergangsfrist an den Biolandbau koppeln. Und insbesondere die Umstellung der Tierhaltung von Legehenne bis Rind müsste deutlich verstärkt werden, damit unsere Verbraucher ihre Bio-Produkte noch viel stärker als bisher aus der Region kaufen können, und nicht zum Beispiel aus Skandinavien.

Fazit: es gibt noch viel zu tun, um das bis 2030 angestrebte Ziel von 20 Prozent ökologischen Landbaus zu erreichen.

Es gibt noch viel zu tun, um sagen zu können, dass ökologische Landwirtschaft zu einer Erfolgsgeschichte in Baden-Württemberg geworden ist.

Wie schnell dieser Prozess vorankommt, hängt sicher davon ab, inwieweit es der Grünen-Fraktion gelingt, den Fachminister von der Notwendigkeit dieser ökologischen Entwicklung zu überzeugen.

 

Vielen Dank!

 

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