Rede zum Thema „Entwicklung des ökologischen Landbaus und dessen Tierhaltungsverfahren in Baden-Württemberg“

Veröffentlicht am 11.04.2017 in Landtagsfraktion

Der SPD-Landtagsabgeordnete Georg Nelius sprach im Landtag von Baden-Württemberg am 5. April 2017 zum Thema "„Entwicklung des ökologischen Landbaus und dessen Tierhaltungsverfahren in Baden-Württemberg“:

Sehr geehrter Herr Präsident,

liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Entwicklung des Biologischen Landbaus insgesamt ist erfreulich. Die SPD ist schon seit vielen Jahren der Auffassung, dass der Anteil und die Fläche des biologischen Landbaus gesteigert werden müssen. Dies umso mehr, wenn es Landwirtinnen und Landwirte gibt, die auf Bio umstellen wollen, und es immer mehr Verbraucher gibt, die Bioprodukte nachfragen. Und diese Nachfrage wird, noch immer, nicht durch heimische Produktion abgedeckt. Dabei ist es gerade bei biologisch erzeugten Produkten wichtig, dass sie nicht über viele hundert oder gar tausend Kilometer herangeschafft werden müssen, denn dann geht ihr ökologischer Vorteil gegen Null.

Ich möchte in Erinnerung rufen, dass vor der grün-roten Regierungszeit unter der Ägide der CDU der biologische Landbau mehr als stiefmütterlich behandelt wurde. So wurde zahllosen umstellungswilligen Landwirten, die einen Antrag auf entsprechende Förderung über MEKA, das Vorgängerprogramm des FAKT, gestellt haben, bedauernd mitgeteilt, dass es dafür leider erst in einigen Jahren, in der nächsten Förderperiode, wieder Geld gebe.

So etwas macht man als Regierung nur, wenn man etwas bewusst ausbremsen will. Man wollte damit wohl bei einigen Funktionären punkten, die bis heute nicht aus den Schützengräben zwischen biologischem und konventionellem Landbau herausgekommen sind.

Sehr geehrte Damen und Herren,

es darf aber auch nicht verschwiegen werden, dass es Fragen und gravierende Probleme gibt, die teilweise auch in diesem Antrag und der Stellungnahme zum Ausdruck kommen. So ist der Anteil des Biolandbaus zwar gestiegen, in immerhin fünf Landkreisen aber ist er zurückgegangen, in einigen stagnierend. Die Gründe hierfür werden aber in der Anfrage nicht beantwortet.

Hinzu kommen die besonderen Probleme der Biowinzer, die bei einer Witterung wie 2016 massive Probleme mit Pilzkrankheiten hatten, weil die in Deutschland erlaubten Mengen Kupfer, nämlich drei Kilo pro Hektar, nicht ausreichten, um den Pilz wirksam in Schach zu halten. Die daraus resultierenden Fälle, in denen Biowinzer wieder auf konventionell umsteigen, sind in diesem Antrag noch gar nicht erfasst.

Ein weiteres Problem ist die sehr schleppende und hinter den anderen Bereichen zurückbleibende Steigerung des Biologischen Landbaus in der Tierhaltung, vor allem bei Schwein und Geflügel. Hier sollten dringend die vorhandenen Förderprogramme nochmals hinterfragt werden, ob man die Förderung und Beratung genau in diesem Bereich nicht noch verbessern könnte.

Als Fazit bleiben für uns drei Feststellungen:

1.            Der ökologische Landbau kommt in den letzten Jahren in Summe gut voran, deckt aber immer noch nicht die Verbrauchernachfrage ab.

Er muss also weiter gezielt so gefördert werden, dass er relativ und absolut zunimmt. Das wollen nicht nur die Verbraucher, sondern wir fördern dadurch auch Umwelt und Tierwohl.

2.            Wir freuen uns natürlich, dass die CDU und Herr Hauk hier wirklich vom Saulus zum Paulus geworden sind und den Biologischen Landbau ernsthaft auch weiterhin gut begleiten. Sie haben aber sicher auch Verständnis dafür, dass wir skeptisch sind und bleiben und diese Entwicklung deshalb sehr genau beobachten.

Natürlich könnte man sich an den Wachstumszahlen des Ökolandbaus  berauschen. In meinem Wahlkreis Neckar-Odenwald beispielsweise eine Steigerung der Ökobetriebe um 33 Prozent. Nüchtern betrachtet, im Vergleich zu den konventionellen Betrieben, eine Steigerung von drei auf vier Prozent.

Wir hoffen, dass die Ausweisung von Bio-Musterregionen einen weiteren Schub für den Ökolandbau auslöst.

3.            Alle Fortschritte und Aktivitäten im biologischen Landbau dürfen uns aber nicht vergessen lassen, den konventionellen Landbau, der weit über 90 Prozent der Landwirte und Flächen umfasst, weiterzuentwickeln. Wenn wir eine zukunftsträchtige Landwirtschaft wollen, müssen wir vor allem dort ansetzen und für mehr Nachhaltigkeit, mehr Tierwohl und eine fairere Bezahlung der dort erzeugten Produkte sorgen.

Wenn wir mit unserer Landwirtschaftspolitik, neben der Nahrungsmittelproduktion, wirklich etwas für den Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft, den Klimaschutz, Sicherung der Ressourcen Wasser, Boden, Luft, Verbesserung der Biodiversität und Förderung der artgerechten Tierhaltung erreichen wollen, ist eine Weiterentwicklung der Landwirtschaft über den Bio-Landbau hinaus, dringend notwendig.

Wir sind davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft das genauso sieht, denn unter Bezug auf eine heute in der Stuttgarter Zeitung zitierte Umfrage, die erfragt hat, welche Berufe in Zukunft besonders wichtig sind, lagen die Landwirte in einem Ranking knapp hinter den Ärzten auf Platz zwei und 87 Prozent der Befragten sehen die Landwirtschaft als wesentliche Grundlage für unsere Lebensqualität.

 

Vielen Dank.

 

 

Kontakt

Wahlkreisbüro in Mosbach
Badgasse 7
74821 Mosbach
Telefon 06261 914917
Telefax 06261 914918
buero@georg-nelius.de

Landtagsbüro in Stuttgart
Konrad-Adenauer-Straße 12
70173 Stuttgart
Telefon 0711 2063 754
Telefax 0711 2063 710
georg.nelius@spd.landtag-bw.de

Mit der Nutzung der E-Mail-Adressen stimme ich zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Es gilt die Datenschutzerklärung. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail widerrufen. 

Links zu aktuellen Informationen

Aktuelle Informationen zur SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg findet man hier. 

Aktuelle Informationen zum SPD-Kreisverband Neckar-Odenwald findet man hier.